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Smart-TV: Unmöglicher Traum vom werbefreien Fernsehen

Anfang der 2000er Jahre, Sie sehen sich Ihre Lieblingssendung an. Die Spannung steigt, der Höhepunkt des Konflikts ist so nah... und dann plötzlich die nervige Werbepause.

Es gab praktisch nichts, was man dagegen tun konnte, außer ständig zwischen den Kanälen hin und her zu schalten und leise zu schimpfen. Man fühlte sich hilflos und genervt.

Nicht Glotze…

Benutzerfreundliche Smart-TV-Geräte brachten in den späten 2000er Jahren frischen Wind. Die Zuschauer:innen konnten sehen, was sie wollten und wann sie wollten. Mit Smart-TVs konnten Sie auch Musik abspielen und sogar im Internet surfen. Man musste nur eine Streaming-App wie Netflix oder Hulu installieren (Nun ist auch das nicht mehr nötig) und seine Lieblingsinhalte ungestört und mit minimaler Werbung sehen.

...sondern ein Smart-Datensammler

Smart-TVs sind mit dem Versprechen eines individuellen Fernseherlebnisses in fast jeden Haushalt eingezogen. Im Grunde unterscheiden sie sich jedoch nicht wesentlich von ihren sperrigen und dummen Vorgängern. Von Anfang an haben die Gerätehersteller die Smart-TVs gelehrt, Nutzerdaten zu sammeln, um Werbung zu personalisieren und manchmal direkt auf dem Bildschirm anzuzeigen. Dazu haben sie das Nutzerverhalten mit einer Vielzahl von Instrumenten verfolgt und so die Privatsphäre der Nutzer:innen verletzt.

Smart TVs mögen Ihre Daten sammeln

Und während Sie einen Werbeblocker verwenden können, um die Werbung auf Ihrem PC oder einem Smartphone auszuschalten, funktioniert das bei Smart-TVs nicht. Natürlich gibt es einige fertige Lösungen, die Ihnen helfen können, lästige Werbung auch auf Smart-TVs loszuwerden. Sie können zum Beispiel den DNS-Server ändern oder eine netzwerkweite Software wie AdGuard Home installieren, die Werbung und Tracking auf allen Ihren Geräten blockiert. Aber sehen wir uns zunächst das Problem selbst genauer an.

Ein Beispiel mit Vizio

Das in Kalifornien ansässige Unternehmen Vizio ist gemessen am Marktanteil einer der größten Anbieter von Smart-TVs in den USA, hinter Samsung und gleichauf mit TCL und LG. Laut seiner Wikipedia-Seite entwickelt und verkauft das Unternehmen nicht nur „Fernsehgeräte und Soundbars“, sondern auch Zuschauerdaten und Werbung".

Kürzlich hat Vizio Schlagzeilen gemacht, indem es „Jump Ads“ über Live-Fernsehen einblendete. Das Werbebanner erschien gegen Ende der ersten Folge einer Comedy-Show und forderte die Nutzer:innen auf, „zu einem On-Demand-Streaming-Dienst zu springen“, um die Sendung weiterzuschauen. Vizio sagte, dass die Pop-ups „die Lücke zwischen linearem Fernsehen und Streaming-Diensten überbrücken sollen“. Einige mögen argumentieren, dass es keinen Grund gibt, dramatisch zu sein, und dass es nicht schlimm ist, ab und zu eine Werbung zu sehen. Möglicherweise erleben wir aber nur den Anfang vom Ende.

Vizio sagte, dass es mit anderen Marken und Inhaltsanbietern an Integrationen arbeitet. Übersetzung: Machen Sie sich auf mehr Werbung gefasst. Erschwerend kommt hinzu, dass Vizio in Sachen Datenschutz nicht gerade einen guten Ruf hat.

Ein angeschlagener Ruf

Im Jahr 2017 zahlte Vizio 2,2 Millionen Dollar, um die Vorwürfe beizulegen, dass das Unternehmen Daten von Millionen seiner Kund:innen ohne deren Wissen oder Zustimmung gesammelt hatte. Nach Angaben der US-Regierung ging das Unternehmen sogar so weit, ältere Modelle mit Überwachungssoftware nachzurüsten, indem es diese per Fernzugriff installierte.

Es funktionierte folgendermaßen: Zuerst sammelte Vizio eine Auswahl von Pixeln auf dem Bildschirm und glich sie mit einer bestehenden Datenbank von Inhalten ab, um herauszufinden, was ein/e Nutzer/in wann ansah. Auf diese Weise sammelte der Anbieter bis zu „100 Milliarden Datenpunkte pro Tag“.

Dann profitierte Vizio von diesen Daten, indem es die Sehgewohnheiten der Nutzer:innen „an Werbetreibende und andere“ verkaufte. Vizio ermöglichte es Dritten, Nutzer:innen zu identifizieren, indem es „das Hinzufügen spezieller demografischer Informationen“ an die Betrachtungsdaten erleichterte. Mit anderen Worten: Vizio gab die IP-Adressen seiner Verbraucher:innen an die Datenaggregatoren weiter, die dann eine Person oder einen Haushalt ausfindig machen konnten.

Im Rahmen der Vergleichsvereinbarung hat sich Vizio bereit erklärt, die ausdrückliche Zustimmung seiner Kund:innen einzufordern, bevor es mit dem Tracking beginnt, aber ansonsten hat sich wenig geändert.

Wir können jedes Mal schockiert und überrascht sein, wenn wir sehen, dass ein weiteres Unternehmen die Vorteile der Datenerfassung nutzt, die unsere Smart-TVs bieten. Tatsache ist jedoch, dass Smart-TVs seit einem Jahrzehnt auf diesem Weg sind und nicht die Absicht haben, dies zu ändern.

Nichts Neues unter der Sonne

Samsung, einer der frühen Entwickler der Smart-TV-Technologie, begann Mitte der 2010er Jahre im Rahmen seiner Partnerschaft mit Yahoo mit der Einblendung von Pop-up-Anzeigen. In einigen Fällen erschienen die Pop-ups Berichten zufolge in der Mitte der Sendung und wurden in die eigenen Inhalte der Nutzer:innen, z. B. Heimvideos, eingefügt.

Samsung erlebte seinerzeit selbst Datenschutz-Skandale. Die ältere Version der Datenschutzrichtlinie von Samsung warnte davor, dass die gesprochenen Worte der Nutzer:innen, einschließlich persönlicher und anderer sensibler Informationen, aufgezeichnet und an Dritte gesendet werden könnten, (wenn die Sprachsteuerung aktiviert war). Panasonic, ein weiterer etablierter Marktteilnehmer, hat seit 2012 Pop-up-Werbebanner eingeblendet.

Samsung und Panasonic sind sicherlich bekannte Namen, aber der Markt für Smart-TVs ist so attraktiv, dass sogar Unternehmen, die selbst keine TV-Geräte herstellen, von diesem Markt profitieren wollen.

Das Aufkommen der Smart-TV-Technologie hat das Interesse an Smart-Media-Playern oder Over-the-Top-Geräten geweckt (sie können ein nicht-smartes Fernsehgerät in ein Smart-TV verwandeln, wenn man sie an den HDMI-Eingang anschließt). Beispiele für solche Geräte sind Android-basierte Nvidia Shield TV Media Player, Xiaomi Mi TV Stick, Google Chromecast Media Player, Set-Top-Box von Apple und Roku Media Player.

Das letztere Beispiel ist zum Vorzeigebeispiel dafür geworden, wie weit Smart-TV-Werbung gehen kann, wenn sie nicht eingeschränkt wird.

Ein Beispiel mit Roku

Roku, das größte TV-Betriebssystem in den USA mit 60 Millionen monatlich aktiven Nutzer:innen, hat kürzlich eine „einzigartige Partnerschaft“ mit Walmart, dem weltweit führenden Einzelhändler, angekündigt. Im Rahmen dieser Vereinbarung können Zuschauer:innen von Roku-gesteuerten Smart-TVs Produkte direkt über die Werbung auf ihren Bildschirmen kaufen. Die Zuschauer:innen müssen nicht einmal ihre Kartendaten eingeben — das wäre mit einer Fernbedienung ziemlich mühsam gewesen. Sie müssen nur zweimal auf „OK“ drücken: zuerst, um zur virtuellen Kasse zu gehen und dann, um eine Bestellung aufzugeben, während Roku sich um die Zahlungsdetails kümmert, indem es sie von seiner eigenen Zahlungsplattform eingibt.

Roku kooperiert mit Walmart

Es ist unklar, wann genau eine „Shoppable Ad“ auf dem Bildschirm erscheint — anscheinend liegt die Entscheidung bei Walmart:

„Walmart ist unübertroffen in der Fähigkeit, das Kundenverhalten zu bewerten und dann die Handelsangebote auf die Kund:innen zuzuschneiden.“

Ein solches Einkaufsmodell birgt offensichtliche Sicherheitsrisiken, ähnlich denen, für die Amazons Sprachassistentin Alexa berüchtigt wurde. Wenn es Kindern möglich war, mit Alexa viele Spielzeuge zu kaufen, warum kann das dann nicht auch mit Roku geschehen? Schließlich braucht es nur zwei Klicks, um eine Bestellung aufzugeben.

Außerdem ist allein die Tatsache, dass sich Ihr Fernsehgerät ohne Ihre Zustimmung in ein vollwertiges E-Commerce-Tool verwandelt, etwas beunruhigend. Und sicherlich nicht nur wir finden das.

Man sollte nicht überrascht sein, dass Roku sein umfangreiches Werbearsenal erweitert hat. Roku ist ein Vorreiter im Bereich der TV-Slash-Werbung, und seine Kund:innen sind schon lange daran gewöhnt, interaktive Pop-ups über passenden Werbespots zu sehen.

Doch Anfang dieses Jahres schien es, als hätte sich das Unternehmen entschlossen, den nächsten großen Schritt zu tun. Zuerst beschwerte sich ein Reddit-Nutzer darüber, dass Roku während einer völlig unzusammenhängenden Sportübertragung Pop-Werbung für einen Bettenhersteller einblendete. Nachdem der Beitrag viral ging, behauptete Roku, dass es sich bei der Werbung um einen „Fehler“ handelte, der behoben worden sei. Es wurde kein weiterer Kommentar abgegeben, so dass wir jetzt nur raten können, ob es sich nicht um den Probelauf der neuen Add-Funktion gehandelt hat.

Was weiß Ihr Fernseher und wer weiß es noch?

Smart-TVs nutzen eine eingebaute Technologie, die als ACR (Automatic Content Recognition) bekannt ist, um Informationen über Ihre Sehgewohnheiten aus Ihrem Flachbildschirm zu gewinnen. Die Technologie ermöglicht es Ihrem Fernseher, Daten über die auf dem Bildschirm abgespielten Inhalte, den Namen des Anbieters, Kabel, Sendung, Programme und Werbung zu sammeln. Ihr Fernsehgerät weiß, wie viel Zeit Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt bei welcher Sendung verbringen, welche Kanäle Sie einschalten und ob Sie die Inhalte live oder zu einem späteren Zeitpunkt ansehen.

Wenn Ihnen der Begriff ACR bekannt vorkommt, dann liegt das an Vizio, das 2017 durch einen Datensammlungsskandal in die Schlagzeilen geraten ist.

Zusätzlich zu Ihrem Fernsehverhalten können Smart-TVs auch Gerätekennungen einschließlich der IP-Adresse erfassen. Und die Liste ist bei weitem nicht vollständig: Roku sagt zum Beispiel, dass es „Informationen über den Browser und die Geräte, die Sie für den Internetzugang verwenden“, einschließlich WLAN-Namen und Verbindungsdaten, „und Informationen über andere Geräte, die mit demselben Netzwerk verbunden sind“, erhalten kann. Roku kann Sie zwar nicht persönlich identifizieren, merkt aber an, dass es anhand der erhaltenen Geräteinformationen „auf Ihren allgemeinen Standort und Ihren Internetdienstanbieter schließen kann“. Im Fall von Vizio können diese Daten mit Hilfe von „demografischen Haushaltsdaten“ sowie Daten über Online-Einkäufe und anderen Aktivitäten auf den Geräten, die dieselbe IP-Adresse wie das Smart-TV haben, weiter angereichert werden.

Nach Angaben von Vizio können die über ACR gesammelten Informationen an Analyseunternehmen, Medienkonglomerate und Werbetreibende weitergegeben werden. Roku sagt, dass es Informationen mit Partnern teilt, deren Dienste über Roku „für verschiedene Zwecke“, einschließlich der Anpassung Ihrer Inhalte an Sie und der Personalisierung von Werbung verfügbar sind.

Günstigeres Fernsehen = weniger Privatsphäre

Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, warum Smart-TVs — ein ziemlich ausgeklügeltes Stück Technologie — nicht gerade teuer sind. Sie können das neueste 65-Zoll-4K-Modell von Vizio für weniger als 500 US-Dollar kaufen, was ein echtes Schnäppchen ist. Der Grund für diese plötzliche Großzügigkeit der Fernsehverkäufer ist die Möglichkeit von Werbung zu profitieren.

Roku-CEO Anthony Wood gab 2018 zu, dass sein Unternehmen im Werbe- und nicht im Hardware-Geschäft tätig ist. Es besteht kein Zweifel daran, dass andere Unternehmen nach diesem Credo leben, auch wenn sie es nicht laut aussprechen.

Okay, was sollten wir tun?

Die drastischste und kugelsicherste Lösung wäre es, Ihren Smart-TV vom Internet zu trennen oder einen funktionierenden Röhrenfernseher auf dem nächsten Schrottplatz oder bei Ebay zu finden.

Ein alter, guter CRT-Fernseher, den Sie nicht mehr brauchen

Wenn es Ihnen nichts ausmacht, Filme auf Blu-ray anzuschauen oder ein HDMI-Kabel zu verwenden, um Ihren Computer zum Streaming an Ihren Fernseher anzuschließen, könnten Sie genau dies tun.

Wenn Sie jedoch nicht zu den alten Zeiten zurückkehren möchten, ist es wahrscheinlich besser, die ACR zu deaktivieren. Wenn Sie zum Beispiel ein Vizio-Fernsehgerät zum ersten Mal einschalten, wird Ihnen die Option angeboten, die automatische Inhaltserkennung zu aktivieren. Dies sollten Sie nicht tun, es sei denn, Sie möchten Vizio und den Werbetreibenden freien Zugang zu Ihrem Fernsehverhalten geben. Wenn Sie der ACR bereits zugestimmt haben, können Sie sie in den Einstellungen deaktivieren.

Die ACR-Einstellungen können zwar tief im Menü verborgen sein, aber es ist möglich, die Funktion bei allen großen Smart-TV-Marken zu deaktivieren.

Wir müssen jedoch darauf hinweisen, dass Ihr Smart-TV auch bei deaktivierter ACR immer noch genug Verstand hat, um einige Daten über Sie zu sammeln, einschließlich potenzieller Informationen über Ihren Standort und die von Ihnen verwendeten Apps.

Eine andere Möglichkeit wäre, Werbung und Tracker zu blockieren, indem Sie nur eine Einstellung in Ihrem Smart-TV ändern, nämlich den DNS-Server. Sie können einen der öffentlichen DNS-Server von AdGuard verwenden, die kostenlos zu nutzen und einfach zu konfigurieren sind. Dazu noch können Sie mit einem AdGuard DNS-Abo Ihre eigenen AdGuard DNS-Server erstellen.

Mit freundlicher Genehmigung: YouTube/hardwin82

Wenn Sie eine fortschrittlichere und umfassendere Lösung wünschen, können Sie einen eigenen AdGuard Home-Server einrichten, der alle Ihre Heimgeräte abdeckt und Tracking-Domains an ein „schwarzes Loch“ umleitet.

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