Die Ära von Manifest V2 ist vorbei: Chrome entfernt AdGuard Werbeblocker MV2 aus dem Web Store
Es ist offiziell. Der Chrome Web Store hat uns informiert, dass der AdGuard Werbeblocker MV2 — die Version unserer Erweiterung, die auf der bisherigen Chrome-Plattform Manifest V2 basiert — entfernt wurde. Die Benachrichtigung ist eindeutig: Keine Verstöße. Grund: „Einstellung von Manifest V2“ (Manifest V2 Deprecation).

AdGuard ist damit nicht allein. Chrome hat mittlerweile alle verbliebenen Manifest-V2-Erweiterungen aus dem Chrome Web Store entfernt und schließt damit das MV2-Kapitel für das gesamte Ökosystem.
Manifest V2 (MV2) bildete jahrelang die Grundlage für Chrome-Erweiterungen — darunter auch einige der leistungsfähigsten Werbeblocker. Dieser letzte Schritt kommt jedoch weder überraschend noch plötzlich: Wir haben diesen Wandel schon seit beinahe zehn Jahren kommen sehen.
Was ihr jetzt tun müsst
Für die meisten von euch, die AdGuard in Chrome nutzen, lautet die Antwort ganz einfach: nichts.
Chrome hat MV2 durch Manifest V3 (MV3) ersetzt — die Plattform, die Erweiterungen ab sofort nutzen müssen. Wir haben den AdGuard Werbeblocker komplett für MV3 neu entwickelt, und seit September 2024 ist dies unsere Haupt-Erweiterung für Chrome. Wenn ihr AdGuard über unsere Seite im Chrome Web Store installiert habt und automatische Updates aktiviert sind, wurdet ihr bereits automatisch auf die MV3-Version umgestellt.
Eine Ausnahme gibt es jedoch: Wenn ihr die separat angebotene Version AdGuard Werbeblocker MV2 genutzt habt, die wir neben der MV3-Version weiter gepflegt haben. Da diese eine eigene ID im Chrome Web Store besitzt, behandelt Chrome sie als eigenständige Erweiterung und kann sie nicht automatisch durch die neue MV3-Version ersetzen. In diesem Fall müsst ihr den aktuellen AdGuard Werbeblocker einmalig manuell installieren.
Wie es dazu kam
Google führte Manifest V3 im Jahr 2018 mit dem Versprechen ein, Browsererweiterungen sicherer, privater und effizienter zu machen. Der Chrome Web Store hatte damals tatsächlich ein Problem mit schädlichen Erweiterungen. Wir waren jedoch von Anfang an skeptisch, ob MV3 der richtige Weg ist, um dieses Problem zu lösen.
Wir haben nie behauptet, dass Google Werbeblocker gezielt vernichten wollte. Unser Argument war viel einfacher: Einschränkungen für alle Erweiterungen führen nicht automatisch zu mehr Sicherheit im Netz — sie nehmen nützlichen Datenschutz-Tools jedoch wichtige Möglichkeiten. Auch nachdem der Chrome Web Store keine neuen MV2-Einreichungen mehr zugelassen hat, sind unseriöse Erweiterungen nicht verschwunden. Eine strengere Überprüfung im Store und eine engere Zusammenarbeit mit Sicherheitsfachleuten hätten unserer Meinung nach deutlich mehr bewirkt.
Jahrelange Kritik und Feedback haben MV3 deutlich praxistauglicher gemacht als den ursprünglichen Entwurf. Chrome hat neue Schnittstellen (APIs) hinzugefügt, das Regellimit angehoben und den Ausstieg zwischendurch pausiert. Das hat das schlimmste Szenario verhindert — es macht MV3 aber keineswegs gleichwertig zu MV2. Ein vergleichbares Schutzniveau zu erreichen erfordert heute viel mehr Entwicklungsaufwand, und manche Funktionen von MV2 lassen sich schlicht nicht mehr nachbilden.

MV3 im Vergleich zu MV2: Was hat sich wirklich verändert?
Unter MV2 konnte ein Werbeblocker jede Netzwerkanfrage direkt beim Entstehen prüfen und entscheiden, ob sie zugelassen oder blockiert wird. Unter MV3 übergibt die Erweiterung Chrome vorab eine Liste mit Blockierungsregeln — und Chrome übernimmt den Großteil dieser Entscheidungen selbst.
Dadurch benötigt die Erweiterung Zugriff auf weniger Verlaufsdaten, was tatsächlich einer der angedachten Datenschutzvorteile von MV3 ist. Gleichzeitig beschränkt es jedoch die Handlungsmöglichkeiten von Werbeblockern deutlich — etwas, wovor wir bereits im Januar 2019 gewarnt haben, als MV3 noch ein reiner Entwurf war.
Unter MV3 begrenzt Chrome, wie viele Regeln und Regelgruppen gleichzeitig aktiv sein dürfen. Manche klassischen Filterregeln lassen sich nicht ohne Funktionsverlust in das MV3-Format übertragen. Viele integrierte Filterregeln müssen direkt mit der Erweiterung ausgeliefert werden, was schnelle Updates erschwert. Zudem gibt es weniger Spielraum für neue Blockierungsmethoden, solange die Schnittstellen des Browsers diese nicht unterstützen.
Die Anpassung von AdGuard erforderte weit mehr als nur das Ändern einer Konfigurationsdatei. Wir haben eigene Werkzeuge entwickelt, um klassische Filter in MV3-Regeln umzuwandeln, und nutzen weiterhin unsere eigene Engine zum Ausblenden von Werbung und unerwünschten Elementen auf Webseiten. Außerdem haben wir Wege gefunden, um dringende Korrekturen über das Kontingent für dynamische Regeln bereitzustellen. Seit Kurzem können sich benutzerdefinierte Filter unter MV3 auch wieder unabhängig von der Erweiterung selbst aktualisieren.
Im Alltag funktioniert AdGuard für die meisten wie gewohnt. Dennoch bleibt MV3 ein Kompromiss. Ein Schutzniveau zu bieten, das an MV2 heranreicht, erfordert enormen technischen Aufwand — und in einigen Spezialfällen konnte die alte Erweiterung schlicht mehr.
Die MV3-Einschränkungen von Chrome umgehen?
Chrome ist nicht die einzige Wahl. Wer weiterhin eine vollwertige MV2-Erweiterung zur Werbeblockierung nutzen möchte: Firefox unterstützt Manifest V2 und das gewohnte Blockieren von Anfragen weiterhin.
Auch Brave unterstützt eine kleine Auswahl an MV2-Erweiterungen über eine eigene Infrastruktur — darunter AdGuard Werbeblocker und uBlock Origin. Brave betont jedoch, dass diese Unterstützung ohne dauerhafte Garantie erfolgt.
Allerdings schützen selbst MV2-Erweiterungen nur den Browser. Für Schutz, der völlig unabhängig von Erweiterungsregeln einzelner Browser funktioniert, gibt es die systemweiten AdGuard-Apps für Windows, Mac, Android oder Linux. Diese filtern den Datenverkehr über alle Browser und Anwendungen hinweg.












